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© Christian Koester

Wie wählt man die besten Nachhaltigkeitsprojekte aus? In der vergangenen Woche haben wir zum zweiten Mal gemeinsam mit der BARMER und dem DNP drei herausragende Projekte mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Gesundheit ausgezeichnet. Hier stellen wir die Sieger vor – und zeigen, wie wir sie ausgewählt haben. 

Von 72 Bewerbungen zu 3 Siegern: unser Prozess 

72 Bewerbungen, drei unterschiedliche Kategorien, unzählige Ansätze für mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen – wie vergleicht man ein Klimabildungsprojekt für Pflegekräfte mit einer digitalen Patientenkommunikation oder einem Anti-Diskriminierungsprogramm? Die Antwort liegt in einem strukturierten, zweistufigen Auswahlverfahren.

Stufe 1: Systematische Bewertung nach 12 Kriterien
Gemeinsam mit den Expert:innen der Agentur „Die BrückenKöpfe haben wir alle Bewerbungen anhand eines Punktesystems bewertet. 12 klare Kriterien machten selbst sehr unterschiedliche Projekte vergleichbar. Wir haben uns z.B. gefragt: Wie bedeutsam ist der Beitrag, den das Projekt leistet? Wie überzeugend ist das Wirkungsmodell? Liegen Daten vor, die die Wirksamkeit belegen? 

Stufe 2: Unabhängige Jury aus Praxis, Gesellschaft, Wissenschaft und Politik
Die finale Entscheidung über Finalisten und Sieger traf eine unabhängige Jury aus Praktikern, gesellschaftlichen Akteuren, Wissenschaftlern und Vertretern aus der Politik. Ihre Aufgabe: Die vorselektierten Projekte mit Fachexpertise und verschiedenen Perspektiven bewerten. Die Entscheidung fiel nach einer Diskussion in geheimer Abstimmung per Online-Tool. 

Warum die Sieger-Projekte ausgewählt wurden und welche Herausforderungen sie lösen erfahren Sie hier. 

Die Sieger des DNP Gesundheit 2025

Umwelt schützen: BBNE-PfleGe

Das Projekt BBNE-PfleGe des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe e.V. (DBfK) sensibilisiert Praxisanleitende in Pflege- und Gesundheitsberufen für nachhaltiges Handeln und planetare Gesundheit. Dafür bietet es bundesweit eine berufspädagogische Fortbildung an, die auf die besonderen Herausforderungen der Pflege und Gesundheitsversorgung im Kontext der Klimakrise eingeht. Mindestens 2.000 Praxisanleitende sollen erreicht werden, die ihr Wissen direkt in die Ausbildung tragen und so eine nachhaltige Transformation im Gesundheitswesen anstoßen.

© Dariusz Misztal

Das überzeugte die Jury: Durch die Fortbildung BBNE-Pflege können Praxisanleitende die Zusammenhänge von Klima, Nachhaltigkeit und Pflege direkt in die Ausbildung einbringen. Das Projekt erreicht diejenigen, auf deren Schultern die Versorgung ruht und die bei Patientinnen und Patienten ein hohes Vertrauen genießen.

Gesundheit stärken: Patientenbriefe

Was hab‘ ich eigentlich, und was wurde im Krankenhaus für mich getan? Die offizielle Dokumentation lässt Patient:innen oft ratlos. Die „Was hab‘ ich?“ gGmbH erstellt per Software automatisch einen individuellen, leicht verständlichen Patientenbrief auf Grundlage von Routinedaten mithilfe ärztlich erstellter Textbausteine – ohne Mehraufwand für das medizinische Personal. Das Projekt fördert nachweislich die Gesundheitskompetenz, insbesondere bei vulnerablen Gruppen, und trägt so zu einer gerechteren Gesundheitsversorgung bei.

© Dariusz Misztal

Das überzeugte die Jury: Die Patientenbriefe fördern Gesundheitskompetenz praktisch und lebensnah. Und machen deutlich: Nicht nur Patient:innen müssen kompetent sein für ihre Gesundheit – vor allem muss das Gesundheitssystem verständlich sein. „Was hab’ ich?“ leistet als zivilgesellschaftliche Initiative hierzu seit Jahren einen innovativen und maßgeblichen Beitrag, der es verdient hat, zum Standard in der Versorgung zu werden.

Versorgung gestalten:  Empowerment für Diversität

„Empowerment für Diversität“ ist ein bundesweites Projekt der Charité Berlin und 6 Partnerkliniken. Ziel ist, Diskriminierung im Umgang zwischen Personal und Patienten sowie im Team zu reduzieren und Diversitätskompetenzen aufzubauen. Das Projekt setzt umfassende Maßnahmen um, die individuelle Haltungen und institutionelle Strukturen verändern. Es leistet damit einen Beitrag für mehr soziale Nachhaltigkeit im Gesundheitssystem: weg von diskriminierenden Routinen, hin zu gleichberechtigtem Zugang für alle Patienten und einem Arbeitsumfeld, das Vielfalt anerkennt und stärkt.

© Dariusz Misztal

Das hat die Jury überzeugt: Damit Gesundheitsversorgung bestmögliche Ergebnisse erzielen kann, braucht es ein gutes Miteinander – zwischen den Beschäftigten im Gesundheitswesen und in ihrem Kontakt mit Patientinnen und Patienten. Mit „Empowerment für Diversität“ machen Charité und ihre Partnerkliniken darauf aufmerksam, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Es macht die strukturelle Diskriminierung sichtbar, die auch im Gesundheitswesen Alltag ist, und hilft dabei, Vorurteile zu erkennen und zu überwinden.