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Publikation

Interdisziplinäre Politik für Planetare Gesundheit

By 20.11.2025Dezember 5th, 2025No Comments

Gesundheit beginnt mit der Luft, die wir atmen, Wasser zum Trinken, Pflanzen zum Essen, erträglichen Temperaturen und einem friedlichen Miteinander. Um diese Lebensgrundlagen zu erhalten, braucht es immense Anstrengungen in allen gesellschaftlichen Bereichen und politische Rahmenbedingungen, die der Komplexität einer globalisierten Welt gerecht werden.

Mit unseren Politikempfehlungen haben wir eine Auswahl an politischen Maßnahmen zusammengestellt, die wirksam beim Schutz der Planetaren Gesundheit sind. Wir orientieren uns dabei an der politischen Realität und strukturieren unsere Vorschläge anhand von neun Politikfeldern. Wegen den übergreifenden Auswirkungen des Klimawandels und der planetaren Krisen braucht es jedoch interdisziplinäre Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg. Planetare Gesundheit muss in allen Politikfeldern mitgedacht werden, kurz: Planetary Health in All Policies (The Lancet) [1]. 

Das Wichtigste in Kürze:

Ernährung & Landwirtschaft

Über die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Sie prägt damit maßgeblich Klima, Umwelt und ländliche Räume [2]. Doch die Landwirtschaft verursacht fast zehn Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen, vor allem durch Methan aus der Tierhaltung und Lachgas aus Äckern [3]. Gleichzeitig bedroht die industrielle Landwirtschaft Artenvielfalt und Ökosysteme und leidet selbst unter den Folgen der Klimakrise. Eine nachhaltige und gesunde Zukunft braucht deshalb eine ökologisch und ökonomisch tragfähige Landwirtschaft. Und sie braucht Ernährungsumgebungen, die sowohl Menschen als auch die planetare Gesundheit stärken.

Politische Empfehlungen:

Es braucht eine ökologische und gemeinwohlorientierte gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP), weniger Pestizide, eine Förderung pflanzenbasierter Ernährung und eine Reform der Tierhaltung.

Biodiversität & Natur

Biodiversität umfasst die Vielfalt allen Lebens – von Tieren und Pflanzen über ihre Lebensräume bis hin zu den Ökosystemen, die uns mit sauberem Wasser, gesunden Böden und Nahrung versorgen. Doch das Artensterben schreitet weltweit rasant voran: Viele natürliche Lebensräume sind zerstört, auch in Deutschland sind 60 Prozent in einem schlechten ökologischen Zustand [4]. Hauptverursacher ist die industrielle Landwirtschaft, die mit Monokulturen, Pestiziden und Flächenversiegelung Lebensräume und Artenvielfalt gefährdet. Um die globalen Biodiversitätsziele zu erreichen, braucht es jetzt eine grundlegende Agrarwende und den Schutz natürlicher Lebensräume.

Politische Empfehlungen:

Es braucht 2 Prozent Wildnisfläche sowie 10 Prozent streng geschützte Fläche, finanzielle Unterstützung artenreicher Regionen weltweit, die Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme und weniger Plastikmüll.

Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist Verursacherin und Leidtragende der Klima- und Umweltkrise zugleich. Es muss neue Risiken wie Hitze, Infektionskrankheiten und psychische Belastungen bewältigen und verursacht zugleich rund sechs Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen [5]. Auch der Ressourcenverbrauch steigt seit Jahren stark an [6]. Gleichzeitig leidet das System unter Fachkräftemangel, Reformstau und steigenden Kosten.

Politische Empfehlungen:

Es braucht Nachhaltigkeit, Resilienz, Prävention und bedarfsgerechte Versorgung im Gesundheitswesen, mit klaren Zielen, Monitoring, gestärkter Primärversorgung und Maßnahmen, die Gesundheit und planetare Grenzen wahren.

Energie & Wirtschaft

Das globale Wirtschaftssystem hat enormen Wohlstand geschaffen, jedoch vor allem für wenige Länder und eine kleine Zahl reicher Individuen. Treiber dieses Wachstums war unter anderem die Nutzung fossiler Energien, deren Verbrennung die Klimakrise maßgeblich vorantreibt. Um die Erderhitzung zu stoppen, müssen fossile Energien deutlich reduziert und erneuerbare Energien konsequent ausgebaut werden. Gleichzeitig braucht es ein Wirtschaftssystem, das natürliche Ressourcen effizient und nachhaltig nutzt.

Politische Empfehlungen:

Es braucht eine sozial gerechte CO₂-Bepreisung mit Klimageld, den schnellen Ausbau Erneuerbarer Energien (75 % des Strombedarfs bis 2030 aus EE decken) sowie Energieeffizienz, Unterstützung zirkulärer Unternehmen und verbindliche soziale und ökologische Standards in globalen Lieferketten.

Gebäude & Bauen

Der Gebäudesektor ist einer der größten Energieverbraucher und Emittenten in Deutschland, bietet aber auch enormes Einsparpotenzial. Viele Bestandsgebäude sind schlecht gedämmt und neue Bauten oft nicht energieeffizient genug geplant. Hinzu kommen soziale Ungleichheiten auf dem Wohnungsmarkt. Deswegen braucht es klare Strategien für Bauen, Förderungen und klimaneutrales Heizen [7]. Eine ambitionierte nachhaltige Bau- und Wohnungspolitik verbindet Klimaschutz mit bezahlbarem Wohnen und stärkt Gesundheit, Wohnkomfort und soziale Gerechtigkeit.

Politische Empfehlungen:

Für einen klimaneutralen Gebäudesektor bis 2045 braucht es eine sozial gerechte Bauwende mit höherer Sanierungsrate, erneuerbarer Wärmeversorgung, gesetzlich verankertem Hitzeschutz und Maßnahmen, die Klima-, Gesundheits- und Sozialschutz im Gebäudesektor gleichermaßen sichern.

Mobilität & Verkehr

Mobilität prägt unseren Alltag – sie entscheidet, wie wir leben, arbeiten und an der Gesellschaft teilhaben. Doch das aktuelle Verkehrssystem ist weder zukunftsfähig noch sozial gerecht, denn es verursacht hohe Emissionen, belastet die Gesundheit und verschärft soziale Ungleichheit. Der Verkehrssektor bleibt einer der größten Verursacher von Treibhausgasen, hält die gesetzten Minderungsziele nicht ein und muss dringend umgebaut werden [8]. Eine nachhaltige Mobilitätspolitik senkt gesundheitliche Belastungen, schafft faire Bedingungen für alle Verkehrsteilnehmenden und verbindet Klimaschutz mit öffentlicher Sicherheit und Lebensqualität.

Politische Empfehlungen:

Es braucht den massiven Ausbau klimafreundlicher, barrierefreier und bezahlbarer Mobilität, mehr Raum für Fuß- und Radverkehr, um Gesundheit, Klimaschutz und soziale Teilhabe zu sichern, das Verbrenner-Aus bis 2035 sowie ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen.

Digitalisierung

Die digitale Transformation verändert unsere Gesellschaft tiefgreifend – sie birgt sowohl Chancen als auch Risiken für Klima, Umwelt und Gesellschaft. Damit sie zum Motor einer sozial-ökologischen Zukunft wird, braucht es klare politische Leitplanken. Digitalisierung muss als Querschnittsthema und Teil von Klima-, Sozial- und Wirtschaftspolitik verstanden werden. Wenn Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, kann sie soziale Teilhabe fördern und ökologische Nachhaltigkeit stärken [9].

Politische Empfehlungen:

Es braucht eine ressourcenschonende, suffiziente Digitalisierung mit langlebiger Technik, strenger Regulierung und öffentlicher Förderung, die Nachhaltigkeit, Transparenz und demokratische Kontrolle in den Mittelpunkt stellt.

Bildungssystem

Bildung ist ein zentraler Hebel für planetare Gesundheit, nachhaltige Entwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bildungseinrichtungen vermitteln nicht nur Wissen, sondern prägen auch Werte und Verhalten. Obwohl Deutschland sich 2017 verpflichtet hat, Bildung für nachhaltige Entwicklung strukturell zu verankern, setzen das bisher nur wenige konsequent Schulen um [10]. Bundesweit engagieren sich lediglich zwölf Prozent im Bereich Nachhaltigkeit – oft fehlen Zeit, Personal und finanzielle Mittel [11].

Politische Empfehlungen:

Es braucht die verbindliche Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung im Bildungssystem, gesundheitsfördernde Bildungsumgebungen im Sinne der Planetaren Gesundheit und flächendeckende Klimaanpassung zum Schutz von Kindern.

Entwicklungszusammenarbeit

Die Folgen der Klimakrise treffen Menschen weltweit, aber nicht alle gleichermaßen. Besonders stark betroffen sind jene in einkommensschwachen Ländern, die am wenigsten zu den Emissionen beigetragen haben. Deutschland trägt als großer Verursacher von Treibhausgasen besondere Verantwortung und hat zugleich ein Eigeninteresse, gute Beziehungen in der Welt zu pflegen. Entwicklungszusammenarbeit ist daher kein Selbstzweck, sondern ein zentraler Beitrag, um Krisen dort zu bewältigen, wo sie am stärksten wirken.

Politische Empfehlungen:

Es braucht die Einhaltung von Finanzierungszusagen für EZ und Klimaschutz, stärkere Unterstützung globaler Gesundheitssysteme und eine One-Health-Strategie, die Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz weltweit verbindet.

Was wir derzeit tun,
um Planetare Gesundheit zu schützen

Ob Projekt, Kampagne oder Netzwerkveranstaltung: Unser Engagement für die Planetare Gesundheit ist vielfältig – und geht immer mit der Zeit. Denn: Wir wollen nicht erst hinterher wissen, wie gut wir es hatten, sondern JETZT handeln. Sie auch?