Mensch, Erde! Sei mal still.

Lärm und Klimawandel scheinen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Auf den zweiten sehr wohl und zwar sehr viel. Denn wo Lärm ist, gibt es auch Feinstaub. Das Gute daran: Gegen beides sind wir nicht machtlos.

Von der Diagnose zur Therapie

Lesedauer: eine Minute

Welche Symptome beobachten wir an uns?

Stress, Anspannung, erhöhter Blutdruck, Schädigung von Gefäßen, Herzinfarkt, Schlaganfall.

Diagnose: Was steckt dahinter?

Das vegetative Nervensystem reagiert dauerhaft sensibel auf Lärm. Lärm stresst die Gefäße – Tag und Nacht. So sind sie bereits vorgeschädigt und andere, krankmachende Einflüsse können stärker zuschlagen. Zum Beispiel Feinstaub.

Wie geht es besser: Was kann ich selbst tun?

  • Falls möglich und wann immer es geht, Lärm meiden.
  • Selbst weniger Lärm produzieren: weniger fliegen, weniger Autofahren.
  • Gegen Lärm abschirmen, zum Beispiel durch Gehörschutz.
  • Als Gegenprogramm gezielt ruhige Orte aufsuchen, etwa im Wald.

Wie es besser geht: Therapie auf politischer Ebene

Ob Verkehrslärm, Fluglärm, Bau- oder Freizeitlärm: Wir sind in unserem Alltag von vielen Lärmquellen umgeben. Auch die Politik ist gefordert, aktiv für mehr Lärmschutz zu sorgen, etwa durch:

  • die Verbesserung von Lärmschutz an Straßen, Bahnstrecken und Flughäfen
  • den Bau und Einsatz leiserer Verkehrsmittel
  • die Anpassung von Grenzwerten für Feinstaub
  • Richtlinien zur Reduzierung von umweltbelastenden Geräuschemissionen, zum Beispiel durch ein Nachtruhegebot auf Baustellen oder Lärmgrenzwerte für neu gebaute Flugzeuge

In ihren „Leitlinien für Umgebungslärm für die Europäische Region“ hat die WHO bereits 2018 mehr Lärmschutz gefordert und gesundheitlich vertretbare Belastungspegel zur Orientierung ermittelt.

Klimawandel und Lärm

Tiefer ins Thema eintauchten – Lesedauer: zwei Minuten

Subjektiv kann der Eindruck entstehen, dass wir uns an Lärm gewöhnen und ihn nicht mehr wahrnehmen. Doch das täuscht. Hinzu kommt: Die Auswirkungen und Schäden durch Lärm, schlechte Luftqualität und Klimawandel hängen zusammen.

Was macht Lärm mit dem Körper?

Unser Körper reagiert 24 Stunden am Tag auf Lärm, selbst im Tiefschlaf. Das vegetative Nervensystem ist äußerst empfindlich: Lärm stresst die Gefäße, erhöht den Blutdruck und öffnet damit Tür und Tor für weitere Schäden. In Wohngebieten in der Nähe von Einflugschneisen führt Lärm nachweislich dazu, dass Menschen mehr Bluthochdruck haben sowie Herzinfarkte und Schlaganfälle erleiden.

Was haben Lärm und Feinstaub miteinander zu tun?

Je mehr Verkehr herrscht, desto lauter ist es in der Umgebung und desto mehr Feinstaub ist in der Luft. Das macht klar, dass Lärm und Feinstaub immer als Paar daherkommen – und das macht sie so gefährlich. Denn: Feinstaub kann die Arterien umso mehr und leichter schädigen, wenn sie bereits vom Lärm vorgeschädigt sind. Die sogenannten Endothelzellen, die die Innenseiten der Blutgefäße auskleiden, entzünden sich, schwellen an und verstopfen die Gefäße.

Was sind die Folgen?

An Orten mit starker Luftverschmutzung sind Menschen anfälliger für Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch das Risiko, an Demenz zu erkranken, ist laut Studien (siehe Rubrik: Noch mehr Wissen) drei- bis fünfmal so hoch wie für Menschen anderswo.

Mehr Wissen

Tag gegen Lärm

Jedes Jahr klärt der „Tag gegen Lärm“ über Lärmschutzmaßnahmen auf, auch im eigenen Umfeld. Es gibt ihn seit 1998, er findet jeweils im April statt.

Noch mehr Wissen

Lesedauer: solange Du magst 😉

Wenn Du tiefer in das Thema Klimawandel und Lärm eintauchen möchtest, findest Du hier Links zu Studien und weiteren interessanten Beiträgen.

Wie hängen Lärm, Umweltverschmutzung und Klimawandel zusammen?

Der Mainzer Kardiologe Thomas Münzel erforscht die Zusammenhänge und Auswirkungen auf die Gesundheit.

Münzel et al, 2014.

Stress lass nach!

Wie sich zu viel Lärm auf unser Herz-Kreislauf-System auswirkt und warum wir dabei Stress empfinden, fasst das Umweltbundesamt anhand verschiedener Publikationen in einem Themenschwerpunkt zusammen.

Kinder für Lärm sensibilisieren

Auf der Webseite „Umwelt im Unterricht“ gibt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Tipps, um Kinder im Umgang mit Lärm zu schulen und für Lärmschutz zu sensibilisieren.

Teste Dein Wissen zu Klimawandel und Lärm.

Dauer: eine Minute

Frage

Gefäßschäden: eine Sache von Tagen oder von Jahren?

Eines einzigen Tages! Schon innerhalb von 24 Stunden kommt es durch Lärm zu Gefäßschäden. Das wies der Mainzer Kardiologe Thomas Münzel mit seinem Team anhand von Fluglärm nach.

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Frage

Was ist der Unterschied zwischen Geräuschen und Lärm?

Lärm ist ein unangenehmes Schallereignis. Wir empfinden ihn sehr individuell, deshalb kann er nicht gemessen werden, sondern nur das ihm zugrunde liegende Geräusch.

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Warum muss man Kinder vor Lärm schützen?

Kinderohren sind besonders anfällig für dauerhafte Schädigungen. So sollte zum Beispiel beim Kauf von Spielzeug darauf geachtet werden, dass es Geräuschnormen einhält.

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