Mensch, Erde! Jetzt mal tief Luft holen.

Dauernd Dicke Luft killt nicht nur Beziehungen. Dicke Luft macht uns krank und lässt uns eher sterben. Die CO-Konzentration in der Atmosphäre ist der Treiber schlechthin der Erderwärmung. 97 Prozent der Erhitzung ist menschengemacht. Warum das auch eine gute Nachricht ist? Weil wir Menschen damit selbst daran etwas ändern können. Studien zeigen es: Wird die Luft sauberer, sinken die Sterberaten, die Menschen leben länger.

Von der Diagnose zur Therapie

Lesedauer: eine Minute

Welche Symptome beobachten wir an uns?

Allergien, Asthma, Lungenkrebs, Covid-19, Herz-Kreislauferkrankungen, Demenz. Bei Kindern schränkt Feinstaub die Lungenentwicklung ein.

Diagnose: Was steckt dahinter?

Die zunehmende Luftverschmutzung befördert Allergien, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen, Krebs und Demenz. Durch den Klimawandel finden außerdem stark allergieauslösende Pflanzen wie Ambrosia bei uns ein neues Zuhause.

Wie geht es besser: Was kann ich selbst tun?

  • Zum Arzt gehen und Ursachen von Atemwegserkrankungen auf den Grund gehen.
  • Wo möglich, Kontakt zu Allergenen vermeiden. 
  • Heuschnupfen-Hinweise ernst nehmen und eine Wetter-App mit Pollenflug-Vorhersage nutzen.
  • Durch Radfahren und Verzicht auf Fleisch zum Umweltschutz und zur besseren Luftqualität beitragen. 
  • Zum Schutz der Wälder auf Werbung und möglichst viel Verpackung verzichten.
  • Modern und energieeffizient heizen.

Wie es besser geht: Therapie auf der politischen Ebene

Die Luftqualität wird von vielen Faktoren beeinflusst, die Agrar- und Verkehrswende, sowie eine nachhaltige Städteplanung können dazu beitragen, die Luftqualität zu verbessern, z.B. indem 

  • Auf Birken, deren Pollen hochallergen wirken, in der Stadtbegrünung verzichtet wird.
  • Mehr auf Mischwälder gesetzt wird, sie sind robuster gegenüber Feuern, Trockenheit, Stürmen und Schädlingen und bieten mehr Raum für Artenvielfalt.
  • Feinstaub-Grenzwerte gemäß den wissenschaftlichen Erkenntnissen gesenkt wird.
  • eine Kohlenstoff-Dividende eingeführt wird – eine Auszahlung an die Haushalte am Ende des Jahres.
  • der Ausbau der Erneuerbare Energien vorangetrieben wird, der Anteil Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch muss bis 2030 auf 70% steigen
  • der ÖPNV ausgebaut und Elektromobilität und treibhausgasneutrale Antriebe gefördert werden, insbesondere in Städten kann sich dadurch die Luftqualität verbessern
  • Bauen mit Holz stärker gefördert wird

Die Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen ist Mitglied der Klima-Allianz Deutschland. Diese hat 2017 eine Publikation mit ihren Forderungen zur Verkehrswende veröffentlicht. Mehr erfährst du, wenn du auf den Link „Mehr dazu“ klickst. Auf der Themenseite „Ernährung“ gehen wir auf die agrarpolitischen Themen ein.

Klimawandel und Luftqualität

Tiefer ins Thema eintauchen – Lesedauer: drei Minuten

Regenwald und Autoreifen haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam. Doch wie wir mit unseren Wäldern umgehen, wie viel fossile Brennstoffe wir verpulvern und wie oft wir das Auto benutzen, wirkt sich direkt auf den Klimawandel und damit auf unsere Gesundheit aus.

Warum sollten ausgerechnet wir anfangen, für bessere Luft zu sorgen?

Obwohl wir ein relativ kleines Land sind, gehören wir weltweit zu den Top 10 der CO-Verursacher. Pro Kopf stoßen wir in Deutschland fast 2 Tonnen mehr CO2 aus als ein:e Chines:in, wobei die Einwohnerdichte deutlich höher ist. Weltweit verursachen Deutsche mit 10 Tonnen CO2 pro Kopf doppelt so viel der Durchschnitt. Und auch historisch betrachtet haben wir viel früher mit der Verschmutzung angefangen. Deshalb haben wir für den Dreck, der bereits in der Atmosphäre ist, die viel größere Verantwortung, und sollten auch als Erste aufhören. Wenn wir viel tun und Vorbild sind, können wir andere viel glaubwürdiger dazu bringen, sich selber mehr einzusetzen.

Ist der Klimawandel wirklich menschengemacht?

Immer wieder poppt die Diskussion auf, ob der Klimawandel real und menschengemacht ist. Er ist es. James Powell hat zum Thema Studien von 33.700 wissenschaftlichen Autoren untersucht. Von ihnen bestritten nur 34, dass der Mensch Hauptverursacher ist. An dem entsprechenden Bericht des Weltklimarates haben weltweit über 800 Wissenschaftler mitgearbeitet. Dazu belegen viele voneinander unabhängige Studien, dass 97 Prozent der Erderwärmung menschengemacht sind. Eine Seite mit richtig guten Argumente für solche Diskussionen ist z.B. www.klimafakten.de

Was hat eine Kastanie mit dem Klimawandel zu tun?

Die Kastanie – stellvertretend hier für alle Bäume – saugt die Stoffe für den Bau des Baumes nicht nur aus der Erde, sondern auch aus der Luft. Aus Wasser, Licht und verbrauchter Luft werden Holz und frischer Sauerstoff. So macht die Fotosynthese aus schlechter Luft wieder gute. Ob Kastanie, Buche, jeder andere Baum oder andere fossile Energieträger: In dem Moment, wenn wir sie verbrennen, setzen sie das gesamte zuvor gebundene Kohlendioxid wieder frei. So verbrauchen wir jedes Jahr mehr fossile Energie als in einer Million Jahre gebildet wurde.

Ist doch nur feiner Staub, oder nicht?

Auch wenn der Name scheinbar harmlos daherkommt, Feinstaub hat es in sich: Er schädigt die Innenwände der Arterien. Die Auskleidung, Endothelzellen im Mediziner-Latein, entzünden sich, schwellen an und verstopfen die Gefäße. Je kleiner die Partikel sind, desto leichter gelangen sie in Lunge und Blut – und von dorthin überall im Körper. Zusätzlich lagern sich an Feinstaubpartikel Stoffe wie Schwermetalle und Aluminium an, die wiederum Krebs erregend sind. Wo die Luft stark verschmutzt ist, steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Demenz massiv an. An einem Tag mit höherer Luftverschmutzung sterben mehr Menschen als an Tagen mit weniger verschmutzter Luft. 

Gummi und Gülle: Woher der Feinstaub kommt.

Bei dreckiger Luft denken wir alle immer als erstes an Dieselmotoren. Doch der Abrieb von Reifen sowie aufgewirbelter Staub und die Landwirtschaft tragen enorm zur Luftverschmutzung bei. In der Landwirtschaft entsteht durch die Gülle auf den Feldern Ammoniak. Dieses verbindet sich mit anderen Stoffen zu Feinstaub, das wir dann widerum einatmen und zu schlimmen Krankheitsverlaufen führen kann. Forscher:innen der Max-Planck-Gesellschaft gehen davon aus, dass weltweit 250.000 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung vermieden werden können, wenn weltweit der Gülleeinsatz um die Hälfte reduziert würde. 

Was Reifen mit schmelzenden Eismassen zu tun haben.

Ein Reifen verliert binnen drei oder vier Jahren 1,5 Kilo an Gewicht durch Abrieb. Dieser Abrieb macht einen wesentlichen Bestandteil von Mikroplastik im Wasser und in der Luft aus. Solche Partikel schaffen es sogar bis in die Arktis und tragen vermutlich zum Schmelzen der Eismassen bei, weil sie die gefrorene Eisstruktur durchbrechen. 

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und Feinstaub?

Ja. Denn dort, wo die Luft besonders dreckig ist, sind häufiger schwere Verläufe der Erkrankung zu finden. Experten gehen nach Angaben des Mainzer Kardiologen Thomas Münzel davon aus, dass etwa 15 Prozent der Covid-19-Toten auf das Konto von Luftverschmutzung gehen.

Was können wir für Wald- und Klimaschutz tun?

Der Wald ist so viel mehr als Holzproduktion. Er ist quasi unser Beatmungsgerät und unsere Klimaanlage. Die Luft im Wald ist bis zu zehn Grad kühler als die in den Innenstädten. Vor allem filtern Bäume für uns die Luft von Feinstaub und anderem Dreck. Dazu kommen mehr als fünftausend flüchtige Substanzen, unter ihnen sogenannte Terpene, die Pflanzen zum Schutz vor Krankheiten bilden.

Zwei Drittel der Abholzung und Brandrodung – vor allem im Regenwald – finden statt, um Viehzucht zu betreiben und Futtermittel anbauen zu können. So paradox es klingt: Mit dem Verzicht auf Fleisch kann jeder von uns einen Beitrag leisten, um die Wälder und das Klima zu schützen.

Waldsterben, das ist doch 80er, oder?

Stimmt. Und stimmt nicht. Denn zurzeit gibt es auch wieder ein Waldsterben in Deutschland, nur reden wir nicht so viel darüber wie in den 80ern. Aber ob nun der VW-Käfer mit seinen Abgasen oder der Borkenkäfer mit seinem ungeheuren Vermehrungsdrang der Hauptverursacher der Misere ist – der Waldzustandsbericht für das Jahr 2020 ist dramatisch: Im vergangenen Jahr starben in Deutschland so viele Bäume wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Ganze 138.000 Hektar Wald gingen verloren, nur noch einundzwanzig Prozent der Bäume haben keine sichtbaren Schäden, das heißt vier von fünf Bäumen sind krank bis schwer krank oder bereits abgestorben.

Noch mehr Wissen

Lesedauer: so lange du magst 😉

Wenn Du tiefer in das Thema Luftqualität und Klimawandel eintauchen möchtest, findest Du hier Links zu Studien und interessanten Beiträgen.

15 Prozent der COVID-19-Todesfälle könnten auf Luftverschmutzung zurückgehen

Forscher:innen decken die Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung und COVID-19 auf.

Ärzteblatt, 2020

SONDERBERICHT 1,5 °C GLOBALE ERWÄRMUNG

Im Sonderbericht des Weltklimarates geht es um die Folgen der Erderwärmung und darum, wie wir den Kampf gegen den Klimawandel verstärken und beschleunigen können.

Intergovernmental Panel on Climate Change , Oktober 2018

Wie geht es dem deutschen Wald?

Dem deutschen Wald geht es dreckig. Das zeigen die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020.

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 2021

Teste Dein Wissen zu Klimawandel und Luftqualität.

Dauer: eine Minute

Frage

Ist Landluft besser als Stadtluft?

Nicht unbedingt. Denn viele kleine Partikel verbinden sich mit Chemikalien aus den Düngemitteln oder Pestiziden und formen den sogenannten sekundären Feinstaub. Dadurch kommt es zur unsichtbaren Verfrachtung der Gifte: Sie fahren praktisch Taxi an den Schwebeteilchen. Erwärmt sich der Boden, steigen Teile der Pestizide mit Dunst und Staubteilchen in höhere Luftschichten – und erreicht auch so die Stadt.

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Frage

1, 2 oder 3 - wie viel Tonnen Papier schlucken die Wurfsendungen?

Jedes Jahr landen 1,2 Milliarden Tonnen Papier als Werbung in unseren Briefkästen. Zum großen Teil sind sie zusätzlich mit bunten, chemikalienhaltigen Farben bedruckt und in Plastik eingeschweißt. Mit dem Zettel am Briefkasten „Bitte keine Werbung“ können wir alle also etwas tun.