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Wer das Stichwort Klimawandel googelt, landet bei vielen Millionen Treffern. Die allerwenigsten davon sind positiv. Kein Wunder, dass uns die Klimakrise aufs Gemüt schlägt.

Von der Diagnose zur Therapie

Lesedauer: eine Minute

Welche Symptome beobachten wir an uns?

Ängste, Schmerz durch das Gefühl, die Heimat aufgrund des Klimawandels zu verlieren (Solastalgie), Trauer, Hilflosigkeit, Traumata, Burnout, Zunahme von Aggressionen und Suiziden bei Hitze, Zunahme bipolarer Störungen und Depressionen durch schlechte Luft.

Diagnose: Was steckt dahinter?

Durch die Menge und das Ausmaß der zu lösenden Probleme entstehen Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Zudem beeinflussen klimatische Veränderungen, wie Extremwetter-Phänomene, nicht nur unser körperliches, sondern auch unser physisches Wohlbefinden.

Wie geht es besser: Was kann ich selbst tun?

  • Sorgen anerkennen und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten aktiv werden, zum Beispiel: Mitmachen bei Müllsammelaktionen oder Unterstützen von Klimagruppen.
  • Über Zukunftsängste und Sorgen reden – vor allem auch mit den eigenen Kindern in angemessener Form und Sprache.
  • Für die Seele gilt: Alles ist besser als nichts zu tun. Selbst wirksam werden. Wie das geht, erfährst Du im Video weiter unten.
  • Viele Tipps zum Umgang mit der Klimakrise geben die Psychologists for Future.

Wie geht es besser: Therapie auf der politischen Ebene

Auch die Unterstützung durch die Politik ist wichtig, um zu einem seelisch gesunden Umgang mit der Klimakrise zu finden. Sie kann helfen, indem sie

  • psychische Folgen der Klimakrise systematisch erforscht und Hilfsangebote entwickelt.
  • Hilfsangebote bekannt und für verschiedene Bevölkerungs- und Altersgruppen zugänglich macht.
  • durch konsequente Klimaschutzpolitik positive Nachrichten erzeugt, die zu einem Umdenken bewegen.

Klimawandel und Seele

Tiefer ins Thema eintauchen – Lesedauer: drei Minuten

Die Klimakrise ist laut Lancet Countdown die größte Gesundheitsgefährdung im 21. Jahrhundert – und die Auswirkungen sind schon hierzulande für jeden am eigenen Leib zu spüren. Doch es handelt sich nicht nur um körperliche Gesundheitsgefährdungen durch Feinstaub, Mikroplastik, Chemikalien und Folgen von Extremwetter.

Der Klimawandel und seine Umweltfolgen schlagen uns auch aufs Gemüt. Nicht enden wollende schlechte Nachrichten und das Gefühl der Machtlosigkeit angesichts der komplexen Herausforderungen lösen Sorgen, Ängste und Verlustgefühle aus. Hinzu kommt: Körperliche Einschränkungen, etwa durch schlechte Luft und Hitze, machen nicht nur den Körper krank, sondern auch die Seele.

Wie gut sind die Auswirkungen des Klimawandels auf die seelische Gesundheit untersucht?

Bislang wurden die psychologischen Folgen des Klimawandels noch nicht systematisch erfasst. Hier gibt es großen Nachholbedarf angesichts der Tatsache, dass die seelischen Folgen zu den häufigsten Nebenwirkungen der Klimakrise gehören könnten.

Schon 2012 schätzte zum Beispiel die National Wildlife Federation, dass 200 Millionen Amerikaner:innen durch klimabedingte Ereignisse und Zwischenfälle ernsthaften psychischen Belastungen ausgesetzt sein würden. Im australischen New South Wales wurde das Verlustgefühl durch die vom Menschen verursachte Umweltveränderung am ausführlichsten untersucht. Die Menschen in der Region hatten mit extremen Veränderungen im Ökosystem, in den Wettermustern und in der Landschaft zu tun.

Depressionen durch schlechte Luft, Suizide durch Hitze – im Ernst?

Ja, das stimmt. Die Wissenschaftler:innen um den Biologen Atif Khan von der University of Chicago (siehe Studie weiter unten: Mehr bipolare Störungen und Depressionen durch schlechte Luft) stießen in Regionen mit besonders schlechter Luftqualität auf erhöhte Fallzahlen von bipolaren Störungen und anderen Erkrankungen.

In besonders betroffenen Gebieten war das Risiko um 27 Prozent erhöht. Hier lagen 15 Millionen Krankenversicherungsdaten zugrunde. Ein zweiter Studienteil – mit deutlich weniger Daten – ergab, dass in Gebieten mit besonders schlechter Luft 50 Prozent mehr schwere Depressionen vorkamen als anderswo. Auch wenn es methodische Kritik an der Studie gab, sind das sehr klare Hinweise.

Bei Hitze steigt nachweislich die Zahl von Unfällen, Impulshandlungen und Suiziden. Verantwortlich dafür könnte das Hormon ADH sein, das eine Rolle bei der Regulierung des Wasserhaushalts im Körper spielt.

Was verbirgt sich hinter einer Solastalgie?

Das Wort “Algie” ist Ärztelatein und bedeutet Schmerz. Während Neuralgie der Nervenschmerz ist, handelt es sich bei der Nostalgie um ein krank machendes Heimweh.

Davon schwingt auch etwas in der bislang nur im Englischen geläufigen Wortschöpfung Solastalgie mit: Sola kommt von Solatium, lateinisch der Trost. In den Weltschmerz mischt sich die Trostlosigkeit über den klimabedingten Verlust der Heimat, zum Beispiel durch die drastische Veränderung der Landschaft. Ab wann die Angst vorm Klimawandel und der empfundene Schmerz tatsächlich krankhaft sind, ist bislang noch nicht exakt definiert.

Mit Kindern und Jugendlichen über den Klimawandel sprechen – aber wie?

Zwei Drittel der Jugendlichen haben Angst vor dem Klimawandel. Und auch schon viele kleine Kinder artikulieren ihre Ängste vor den Folgen der Klimakrise. Am wichtigsten ist es, die Ängste nicht abzutun und zu verharmlosen, sondern sie ernst zu nehmen und die Sorgen anzuerkennen.

Buchtipp: „Wie viel wärmer ist 1 Grad?“

Das Buch erklärt nicht nur Kindern leicht verständlich und anschaulich den Klimawandel und seine Folgen.

Was hilft gegen die Klima-Angst?

Aktiv werden und handeln – und seien es auch nur kleine Dinge, die wir anpacken. Das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein und aktiv werden zu können, nennt man Selbstwirksamkeit. So kannst Du Dich beispielsweise mit Deiner Familie an Müllsammelaktionen beteiligen oder Ihr nehmt Euch vor, selbst weniger Müll zu produzieren.

Wie gelingt der Umgang mit den psychischen Folgen der Corona-Pandemie?

Corona ist eine Zoonose. Das ist eine durch Tiere auf Menschen übertragene Infektionskrankheit, für die der Klimawandel mitverantwortlich ist. Es wird nicht die letzte Zoonose sein. Mit Blick auf mögliche weitere Pandemien müssen Gesundheitssysteme nicht nur den Körper, sondern auch die Seele schützen. Dazu gehören Präventionsmaßnahmen ebenso wie therapeutische Angebote für Betroffene.

Wie geht es den Menschen nach der Flutkatastrophe in Deutschland 2021?

Vom Gefühl der Ohnmacht bis hin zur Posttraumatischen Belastungsstörung: Die psychische Erschütterung ist nach dem Erleben von Extremwetter-Ereignissen, wie der Flutkatastrophe im Sommer 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, groß. Umso mehr brauchen betroffene Menschen individuelle Unterstützungsangebote und eine psychotherapeutische Notfallversorgung.

Mehr Wissen

Klima im Kopf

In ihrem Podcast erklären die Psychologists for Future unter anderem, wie Du mit Ängsten vor dem Klimawandel umgehen kannst.

Offener Brief von über 1000 Psycholog:innen

Mehr als 1000 Psycholog:innen formulierten in England in einem offenen Brief ihre Sorge um die seelischen Auswirkungen des Klimawandels.

Klimaschutz-Umfrage unter Jugendlichen

Zwei Drittel der Befragten haben Angst vor dem Klimawandel und fühlen sich außerdem von der älteren Generation zu wenig unterstützt.

Noch mehr Wissen

Lesedauer: solange Du magst 😉

Wenn Du tiefer in das Thema Klimawandel und seelische Gesundheit eintauchen möchtest, findest Du hier Links zu Studien und weiteren interessanten Beiträgen.

Mehr bipolare Störungen und Depressionen durch schlechte Luft

Trotz methodischer Kritik an der Studie der US-Wissenschaftler sollte den darin enthaltenen Hinweisen nachgegangen werden, dass sich eine geringe Luftqualität auf die Psyche auswirken kann.

Khan et al, 2019.

Lancet Countdown zum Stand der Dinge

Regelmäßige Updates zum Stand des Erreichten bei Klimawandel und Gesundheit liefert der Lancet Countdown on health and climate change.

The Lancet Countdown on health and climate change, ab 2015

Royal College of Psychiatrist: Positionspapier

Das Positionspapier des Royal College of Psychiatrists  ist nicht nur eine umfassende Stellungnahme zum Klima- und Umwelt-Notstand, es zeigt auch in anschaulichen Grafiken dessen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.

Royal College of Psychiatrists: Our planet’s climate and ecological emergency, 2021

Warum nicht ab und an auf Nachrichten verzichten?

Manchmal erschlagen uns die vielen News rund um den Klimawandel. Der Schweizer Autor gibt in seinem Ratgeber Tipps zum besonnenen Umgang mit der digitalen Welt – zum Beispiel sich auszuklinken, wenn es zu viel wird.

Rolf Dobelli: „Die Kunst des digitalen Lebens: Wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern“, 2020

Good News: Es gibt sie!

Wusstest Du, dass 2020 in Deutschland so wenig Fleisch gegessen wurde wie seit über dreißig Jahren nicht mehr? Und dass im selben Jahr in Deutschland erstmals mehr Strom aus Windkraft als aus Kohle erzeugt wurde? Diese und weitere Good News findest Du unter anderem auf utopia.de.

Video

Zwischen Klimakrise und Psychotherapie: Was Profis für ihr eigenes Wohlergehen tun und was wir alle tun können, erklärt Katharina van Bronswijk, Pressesprecherin der Psychologists For Future.

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Frage

Hilft nichts tun dem Klima?

Nicht in den Urlaub fliegen, nicht den neusten Trends hinterherhetzen, nicht das teure Auto kaufen: auch mit Nichtstun kannst Du Deine CO2-Bilanz aufwerten.

 

Frage

Wie kann ich fürs Klima brennen ohne auszubrennen?

Gute Ernährung, ausreichend Schlaf, schöne Erlebnisse: Achte bei allem Engagement fürs Klima auch auf dich selbst – dann stimmt auch Deine Energiebilanz.

 

Frage

Hilft uns konstruktive Paranoia?

Wissenschaftler Jared Diamond befürchtet immer das Schlimmste und bleibt trotzdem optimistisch – das hilft ihm bei der Bewältigung der Klimakrise.

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