Mensch, Erde! Was für eine Hitze.

Wenn es richtig heiß draußen ist, diskutieren wir am meisten über den Klimawandel. Weil wir ihn dann am eigenen Leib spüren und unter ihm leiden. Hitze ist ein medizinischer Notfall. Doch es gibt Hoffnung – wenn wir einen kühlen Kopf bewahren und handeln!

Von der Diagnose zur Therapie

Lesedauer: eine Minute

Welche Symptome beobachten wir an uns?

Unwohlsein, Kreislaufbeschwerden bis hin zu Herzinfarkt, Durst, Konzentrationsschwierigkeiten, impulsives Verhalten, erhöhte Unfallgefahr, erhöhte Suizidgefahr.

Diagnose: Was steckt dahinter?

Weil das Belüftungssystem der Erde aus dem Tritt gekommen ist, steigen die Temperaturen an, Extremwetter wird häufiger. Weder die Umwelt noch wir Menschen sind für extreme Temperaturen geschaffen.

Wie geht es besser: Was kann ich selbst tun?

  • Tipps gegen Hitze anwenden: jede Stunde ein Glas Wasser trinken, tagsüber Fenster und Rolläden schließen, draußen einen Hut tragen, die App Warnwetter installieren, Siesta machen
  • Strom sparen, denn jeder nicht gebrauchte Strom hilft dem Klima etwas
  • Strom kaufen mit Label „Grüner-Strom“ oder „Ok-Power-Label“
  • Strom bei Eigenheimen selbst erzeugen
  • Dächer und Fassaden begrünen
  • Grünflächen schaffen und erhalten, und seien sie noch so klein

Wie es besser geht: Therapie auf der politischen Ebene

Hitzeschutz ist ein politisches Thema auf allen Ebenen. Diese konkreten Ansätze sollten verfolgt werden, um Hitzewellen einerseits vorzubeugen (Prävention) und andererseits, sich den akuten Auswirkungen anzupassen (Adaption):

  • CO2-Preise deutlich erhöhen, auf 50 EUR pro Tonne
  • Umweltschädliche Subventionen und Steuerprivilegien müssen bis 2025 abgeschafft werden
  • Kohlekraftwerke bis 2030 abschalten
  • Erneuerbare Energien vorantreiben, der Anteil Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch muss bis 2030 auf 70% steigen
  • Hitzeschutzpläne erstellen und konsequent umsetzen  
  • Städte und Gebäude hitzeresilient planen
  • Insbesondere im Gesundheitswesen muss mehr für Hitzeresilienz getan werden, Kliniken, Not- und Rettungsdienste sowie Pflegeeinrichtungen sind nicht ausreichend vorbereitet

Gemeinsam mit unseren Partnern KLUG und Health For Future haben wir schon im Sommer 2020 gefordert, Hitzeschutzpläne in Deutschland konsequenter umzusetzen. Hier geht es zu unserer gemeinsamen Pressemitteilung.

Klimawandel und Hitze

Lesedauer: drei Minuten

Besonders kleine Kinder, alte und chronisch kranke Menschen können Hitze schlecht vertragen – sie gehören auch zu den häufigsten Todesopfern. Neben körperlichen Risiken wie erhöhten Herzinfarktraten und Kreislaufzusammenbrüchen nehmen bei Hitze aber auch Unfälle, Impulshandlungen und Suizide zu.

Die Rettung? Klimaanlagen für alle?

Wären mehr Klimaanlagen die Lösung gegen die weltweite Hitze? Nein, auf keinen Fall. Denn die künstliche Kälte hat eine Schattenseite: Sie verbraucht enorm viel Strom. Und solange der dreckig ist, befeuert diese Kühlung massiv weiter den Klimawandel. Zurzeit bindet der Ozean noch einen großen Teil der Wärme. Doch wenn sich das Wasser erwärmt, kann es weniger CO₂ binden – das ist wie mit einer Flasche Sprudelwasser, die offen in der Wärme stand und so ihr Kohlendioxid verliert.

Woran bemerken wir den Klimawandel in Deutschland?

Zum Beispiel daran, dass neun der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung nach dem Jahr 2000 aufgetreten sind. Wir haben es vermehrt mit Hitzewellen und Extremwetter zu tun. Das heißt, es ist entweder länger sehr trocken oder es regnet extrem stark, mit Überschwemmungen als Folge. Durch die Erderwärmung verschieben sich die Klimazonen. Für die Tier- und Pflanzenwelt bedeutet das, dass die Blühzeitpunkte nicht mehr zum Lebenszyklus der Bestäuber passen. Auch Land- und Forstwirtschaft leiden: Ernten fallen aus, der Wald stirbt. 

Was hat der Jetstream mit dem Klimawandel zu tun?

Der Jetstream ist ein Starkwind in acht bis zwölf Kilometern Höhe, der von Westen nach Osten weht – angetrieben durch die Temperaturunterschiede zwischen Polarregion und Äquator. Diese beiden Regionen sind somit die großen Antreiber des Wetterwechsels. Zusammen mit der Erdrotation sorgt der Jetstream somit für das Abwechseln von Hochs und Tiefs. Durch die Erderwärmung kommt dieses „Belüftungssystem“ aus dem Tritt. Das Eis an den Polen schmilzt, der Antrieb für den Jetstream fehlt, der Jetstream auf der Nordhalbkugel schwächt sich deutlich ab. Dadurch kann eine Hitzeperiode nun viel länger dauern als früher.

Was macht Hitze mit dem Körper?

Eine Zeit lang hilft der Schweiß, den Körper abzukühlen. Denn ohne ihn würden schon dreißig Minuten Fitnessprogramm den Körper auf 40 Grad hochtreiben. Dann beginnen wir zu halluzinieren. Ab 42 Grad fällt das Hirn komplett aus.

Wie wirkt Hitze auf die Psyche?

Wer schwitzt, braucht Flüssigkeit. Der Körper reagiert empfindlich, wenn sein Wasserhaushalt nicht stimmt und holt sich, was er braucht. Das „Anti-Diuretische Hormon“ (ADH) hält dann Flüssigkeit zurück. Dieses Hormon wirkt auch auf die Psyche, es macht aggressiv. Das kann erklären, warum es bei Hitze mehr Unfälle, Impulshandlungen und Suizide gibt.

Wer sind die großen Stromfresser?

Dazu gehören auf jeden Fall Ventilatoren und Klimaanlagen. Sie verbrauchen nach einer Schätzung der Internationalen Energie Agentur bereits jetzt rund zehn Prozent des verbrauchten Stroms. Bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Menge verdreifachen: Während in den USA und Japan schon jetzt neunzig Prozent aller Menschen Klimaanlagen haben, gibt es enormen Nachholbedarf bei den 2,8 Milliarden Menschen in den wirklich heißesten Zonen der Erde. Hier sind bislang nur acht Prozent der Räume klimatisiert. Schwellenländer wie China und Indien werden mit zunehmendem Wohlstand ebenfalls zu den Treibern des Verbrauchs.

Welche Rolle spielen Fluorkohlenwasserstoffe?

Diese Gase werden in Kühlgeräten verwendet und schädigen das Klima, wenn sie in die Umwelt gelangen. Sie sind 20.000-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Angesichts des steigenden Bedarfs an Kühlung könnten FKW bis zur Mitte des Jahrhunderts für zwölf Prozent der globalen Erwärmung verantwortlich sein.

Was macht die Hitze sonst noch mit uns?

Hitze wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf uns, unsere Arbeit und den Wohlstand aus. So fielen bei der extremen Hitze 2018 weltweit einhundertdreiundreißig Milliarden Arbeitsstunden aus, denn bei extremen Temperaturen sind wir weniger leistungsfähig. Flüsse sind für Schiffe nicht mehr befahrbar, auf Lieferketten angewiesene Industrieanlagen fallen aus, Ernten fallen wegen dürren Feldern aus. Klimaanlagen müssen mit viel Energie auf Hochtouren laufen, um wichtige Einrichtungen wie Rechenzentren zu kühlen.

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Lesedauer: solange Du magst 😉

Wenn Du tiefer in das Thema Klimawandel und Hitze eintauchen möchtest, findest Du hier Links zu Studien und interessanten Beiträgen.

Soviel kosten uns die Schäden durch den Klimawandel.

Treibhausgase, Stickstoffemissionen und andere Umweltbelastungen schädigen die Gesundheit und zerstören Ökosysteme. Außerdem führen sie zu Produktionsausfällen, Ernteverlusten und Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Diese Schäden kann man mit wissenschaftlichen Methoden in Geldwerten darstellen. Mit der Methodenkonvention 3.1 hat das Umweltbundesamt die Kostensätze von Umweltbelastungen aktualisiert und um Kostensätze für Stickstoff- und Phosphoremissionen, Treibhausgase in der landwirtschaftlichen Lieferkette und Baustoffe ergänzt.

Umweltbundesamt, Dr. Björn Bünger & Dr. Astrid Matthey, 2020

Wie sich landwirtschaftliche Flächen zur Stromproduktion nutzen lassen.

Agri-Photovoltaik: Die Kombination aus der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen und Photovoltaik Anlagen. Laut Fraunhofer Institut könnte diese Doppelnutzung nicht nur die Produktivität der landwirtschaftlichen Flächen erhöhen, sondern auch noch bei sehr heißen Tagen Schutz vor starker Sonneneinstrahlung und Austrocknung bieten.

Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Max Trommsdorff et al., 2020

Hitzestress im Hospital - Factsheet

Hitzewellen treffen uns auf verschiedenen Ebenen: gesundheitlich aber auch im Gesundheitswesen. Wir benötigen dringend eine neue und hitze-resiliente Krankenhausarchitektur. Wie wir das angehen können, zeigt dieses Fact Sheet vom Science Media Center. Es liefert einen Überblick über verschiedene Aspekte des Themas, bietet einige hilfreiche Recherchequellen und möchte Anregungen für weitere Recherchen geben.

 

Science Media Center Germany, 2018

Zunehmende Gesundheitsschäden durch Hitze

Wetterextreme, wie steigende Temperaturen, verursachen bereits jetzt in Deutschland zahlreiche gesundheitliche Schäden. So sind sie etwa Auslöser für Hitzestress und zunehmende Infektionskrankheiten, wie die durch Zecken übertragene Lyme-Borreliose. Außerdem führt die Klimaerwärmung zu mehr Allergien und Hautkrebs. Das hat eine 2021 veröffentlichte Studie des BKK-Landesverbandes NORDWEST ergeben. Die Untersuchung macht auch Vorschläge für einen besseren Hitzeschutz.

 

BKK-Studie Klima, 2021

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Frage

Wie oft gab es schon Hitzewellen?

Von einer Hitzewelle spricht man, wenn es 14 Tage aufeinander im Tagesmittel mindestens 30 Grad Celsius sind. In Hamburg beispielsweise gab es das zwischen 1881 und 1994 kein einziges Mal. Seit 1994 aber schon fünf Mal.

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Frage

Wie stark ist der Meeresspiegel schon angestiegen?

Beispiel Cuxhaven: Hier ist er seit Mitte des 19. Jahrhunderts um mehr als 20 cm angestiegen. Expert:innen gehen davon aus, dass der Meeresspiegel an Nord- und Ostsee bis 2100 auf mehr als 50 cm ansteigen wird.

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Blitz oder Hitze: Was ist gefährlicher?

Die meisten Menschen fürchten sich vor Gewittern und Blitzschlägen. Doch sterben viel mehr Menschen an Hitze. Allein im August 2020 – während vorrangig die Corona-Pandemie medial aufgegriffen wurde – lagen die Sterbefallzahlen durch Hitze zwanzig Prozent über dem Durchschnitt. 2003, in der ersten großen Hitzeperiode des Jahrtausends starben europaweit siebzigtausend Menschen.

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Gespräche mit Expert:innen

Der Mann fürs Extreme: Gespräch mit Prof. Hanns-Christian Gunga