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Dieser Beitrag von Henning Flaskamp, Kommunikationsleitung der Stiftung, ist Teil unserer Rubrik „Mit Kopf und Herz – wie wir über den Schutz unserer Lebensgrundlagen sprechen können“.

Zukunft war mal ein Versprechen – heute erscheint sie vielen Menschen als Drohung. In der Sinus-Jugendstudie 2023 gaben 47 Prozent der Befragten an, große Angst vor der Klimakrise zu haben.

Doch in welcher Zukunft ein Kind von heute mal erwachsen sein wird, hängt davon ab, wie wir die Gegenwart gestalten. Uns eine lebenswerte Zukunft vorzustellen, kann uns wie kaum etwas anderes für Veränderung motivieren. Zugleich wirken positive Zukunftsbilder gegen die Versprechungen derer, die zu angeblich „guten alten Zeiten“ zurückkehren wollen, damit aber keine Lösungen für die Probleme der Gegenwart bieten.

Vor der Katastrophe wegrennen oder wissen, wo es hingehen soll?

Wie wir ein Risiko einschätzen, bestimmt unsere Handlungsbereitschaft. Doch immer wieder auf die Gefahren der planetaren Krisen hinzuweisen, reicht allein nicht aus. Immer häufiger reagieren Menschen auf den permanenten Krisenmodus mit Verdrängung und Nachrichtenmüdigkeit. Klimakommunikation muss daher einen Balanceakt meistern: Sie muss Probleme und Gefahren benennen, doch zugleich Lösungen aufzeigen – und so die Menschen nicht lähmen, sondern aktivieren.

Deswegen zeigen wir auf, warum sich die Transformation lohnt. Wofür wir das alles tun. Wie wir und wie unsere Kinder und Enkelkinder in ein paar Jahrzehnten leben werden, hängt davon ab, wie wir heute handeln. Ganz klar: Wenn wir nicht mehr tun als jetzt, sieht es düster aus. Aber damit mehr Bewegung in die Sache kommt, müssen wir deutlich machen, dass wir mit allen Maßnahmen zum Schutz unserer Lebensgrundlagen nicht nur vor der Katastrophe wegrennen, sondern einer besseren Zukunft entgegen gehen.

Wir müssen nicht alle dieselbe Zukunft wollen – aber wir sollten alle eine Zukunft wollen

Die Mehrheit weiß nicht, dass sie die Mehrheit ist. Die Bereitschaft für Klimaschutz der Mitmenschen, wird konsequent unterschätzt. Ebenso tragen viele Menschen Träume einer gesunden, gerechten, nachhaltigen – kurz: lebenswerten – Zukunft in sich. Diese miteinander zu teilen ist der erste Schritt zu mehr Hoffnung. Ja, es stimmt: Wenn wir darüber sprechen, wie wir uns die Zukunft wünschen, zeigen wir uns verletzlich. Denn wir offenbaren anderen, was uns wichtig ist – was für uns ganz persönlich auf dem Spiel steht. Und haben wir angesichts der aktuellen Nachrichtenlage nicht alle ein wenig die Sorge, dass wir uns als naive Utopisten der Lächerlichkeit preisgeben, wenn wir von einer guten und lebenswerten Zukunft für alle Menschen sprechen? Die Sorge ist verständlich, aber sie verschärft das Problem und macht die düsteren Aussichten zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Das Verhältnis von Gegenwart und Zukunft ist wechselseitig. Damit wir angstfrei über die Zukunft sprechen können, müssen wir in der Gegenwart handeln. Doch nur, wenn wir über die Zukunft sprechen, finden wir den Antrieb dafür, die Gegenwart zu gestalten und nicht in Ehrfurcht vor einem Status Quo zu erstarren, der weder Naturgesetz noch unveränderlich ist.

Was Menschen gemacht haben, können Menschen auch wieder verändern

Die Grundvoraussetzung dafür, sich beim Sprechen über eine bessere Zukunft nicht blöd vorzukommen, ist die Akzeptanz, dass es anders sein kann, als es jetzt ist. Erst, wenn wir darüber streiten, wo wir hinwollen, kann sich der Kurs ändern. Ihn nicht aktiv zu bestimmen, sondern sich im Strom des „Weiter so“ treiben zu lassen, wäre in unserer Situation fatal.

Erlauben wir uns endlich wieder, daran zu glauben, dass es besser werden kann! Nur dann erscheint das Denken an die Zukunft nicht mehr als schwarzes Loch, das auch noch unser Glück der Gegenwart verschlingt.

Wir verwechseln momentan viel zu oft die Grenzen des Möglichen mit den Grenzen unserer Vorstellungskraft. Hoffnung dürfen wir haben, weil es auch positive soziale Kipppunkte gibt. Sind die erreicht, kann es ganz schnell gehen mit den notwendigen Veränderungen. Schneller, als wir es uns jetzt vorstellen können. Weil lange Zeit vor allem Naturwissenschaftler*innen über die Klimakrise gesprochen haben, wurde sie als Naturphänomen missverstanden. Dass der Klimawandel „menschengemacht“ ist, bedeutet aber nichts anderes, als dass er Resultat eines Gesellschaftsvertrags ist, den wir als Menschen miteinander geschlossen haben. Dieser legt die Regeln und Normen unseres Zusammenlebens fest. Aktuell bringen die ein gesellschaftliches Verhalten hervor, das die Klimakrise weiter befeuert. Ich behaupte nicht, dass es einfach ist, diesen Gesellschaftsvertrag neu zu verhandeln – aber es ist möglich. Und unsere einzige Chance, uns die Lust auf Zukunft zurückzuholen.

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Im nächsten Beitrag aus der Rubrik „Mit Kopf und Herz“ geht es um Eisbären, planschende Kinder und wie die falschen Bilder die Klimakrise als ganz weit erscheinen lassen, obwohl sie längst da ist. Wenn ihr das nicht verpassen wollt, tragt euch jetzt für unseren Newsletter ein.