(Lesedauer: 2 Minuten)

Der Weltklimarat IPCC hat den dritten Teil seines Sachstandsberichts vorgelegt. Es geht darum, wie sich der Klimawandel begrenzen lässt – oder vielmehr, welche Optionen den Ländern der Erde überhaupt noch bleiben, um eine Erderwärmung und die Vollkatastrophe zu vermeiden. Das Fazit der Experten: Wir können die Kurve noch kriegen, wenn wir jetzt handeln!

  • Der Ausstoß von Treibhausgasen ist zwar weiter gestiegen, aber langsamer als früher.
  • Noch ist das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen.
  • Bis 2030 müssen wir es schaffen, die Treibhausgas-Emission zu halbieren.

Am Montag (4. April) ist der dritte und letzte Teil des sechsten Berichts des Weltklimarats (IPCC) erschienen. Die Forscher:innen warnen auch hier wieder eindringlich vor Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren und weiteren Folgen des Klimawandels. Und sie stellen Strategien vor, wie der Klimawandel begrenzt werden kann. Diese Mittel können die Veränderungen zwar nicht mehr abwenden, aber wenigstens mildern.

IPCC-Bericht: Das Fazit des Weltklimarats

Der Ausstoß von Treibhausgasen ist zwar weiter gestiegen, aber langsamer als früher. Und vor allem: Viele Länder haben begonnen, ernsthaft gegenzusteuern.

Die Erderhitzung soll auf 1,5 Grad begrenzt werden, so fordert es der Pariser Weltklimavertrag. Nach Einschätzung des IPCC ist das immer noch möglich, aber: Dafür muss der Treibhausgas-Ausstoßes schnell und radikal gesenkt werden.

Die globalen Emissionen müssten „spätestens 2025 ihren Höchststand erreichen und bis 2030 um 43 Prozent gesenkt werden“, stellt das UN-Forschungsgremium ganz klar fest. Um wenigstens das Zwei-Grad-Limit zu halten, ist bis dahin eine CO2-Minderung um 25 Prozent nötig.

Was steht im dritten Teil des IPCC-Berichts?

Die Klimaziele und Maßnahmen müssten dringend verbessert werden, fordert der IPCC. Wir müssen es bis 2030 schaffen, die Treibhausgas-Emission zu halbieren. In den letzten zehn Jahren haben wir es überhaupt nicht geschafft, die Emissionen zu reduzieren. Nur der Anstieg konnte etwas gebremst werden.

Erneuerbare Energien, jetzt!

Wir können es uns nicht mehr leisten, in Kohlekraftwerke zu investieren. Wir brauchen einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energie, weg von den Fossilen.

Hoffnung macht, dass die Kosten für saubere Energien seit 2010 kontinuierlich gefallen sind, wie der Bericht betont. Solarmodule wurden seitdem um 85 Prozent günstiger, Windenergie verbilligte sich um 55 Prozent, Lithium-Ionen-Batterien um 85 Prozent. Mit erneuerbaren Energien reduzieren wir nicht nur die Treibhausgase, sie sind auch viel gesünder. Die Luft, die wir atmen wird sauberer!

Eckart von Hirschhausen und die Meteorologin und Astronautenkandidatin Insa Thiele-Eich besprechen den zweiten Teil des IPCC-Sachstandsberichts. Er wurde am 28. Februar 2022 veröffentlicht:

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Nachhaltige Landwirtschaft

Die Landwirtschaft könnte 1,8 bis 4,1 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr einsparen, wenn auf nachhaltige Weise Getreide angebaut und Vieh gehalten und dabei auch CO₂ gespeichert wird – z.B. durch Agroforstwirtschaft oder Ausstreuen von Biokohle auf Äckern. Eine nachhaltige Landwirtschaft könnte sogar mehr Platz für Natur oder Erneuerbare schaffen.

Ernährung, Verkehr, Bausektor

Damit das 1,5-Grad-Ziel eingehalten wird, müssten die Emissionen aus dem Verkehrssektor bis 2050 um 59 Prozent sinken – auch hier muss also möglichst schnell möglichst viel passieren.

Generell sagt der Bericht, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts 40 bis 70 Prozent der Treibhausgasemissionen in den Sektoren Ernährung, Verkehr und Gebäude einsparen lassen könnte – wenn die Politik die Menschen zu einem kohlenstoffärmeren Lebensstil bewegt. Wie? Zum Beispiel mit einer kompakteren Bauweise, mehr Fahrradwegen, energiesparenden Gebäuden und mehr Anreizen für eine fleischärmere Ernährung. Diese Veränderungen im Lebensstil würde unserer Gesundheit gut tun, so die Experten.

Wir haben die Werkzeuge und das Wissen, um die Erwärmung zu begrenzen. Wir sind an einem Scheideweg. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, können eine lebenswerte Zukunft sichern.

Hoesung Lee, Vorsitzender des IPCC

CO2 aus der Atmosphäre ziehen

Eine andere wichtige Aussage: Wir brauchen Lösungen und Technologien, wie wir CO2 wieder aus der Atmosphäre entnehmen. Nur so könnten wir das Ziel der Treibhausgasneutralität erreichen.

Schaffen wir es?

Der Bericht zeigt, dass es noch möglich ist, das Ziel zu halten, oder zumindest das Überscheiten der 1,5 Grad auf eine kurze Zeit zu begrenzen. Das geht aber nur, wenn sofort gehandelt wird. Wir haben überhaupt gar keine Zeit mehr zu verlieren. Die nächsten Jahre sind entscheidend. Wir müssen nicht das Klima retten – sondern uns!

Hintergrund: Was ist der IPCC-Bericht?

IPCC steht für: Intergovernmental Panel on Climate Change. Das ist eine Institution der Vereinten Nationen, auch als Weltklimarat bekannt. Er gibt im Abstand von fünf bis sechs Jahren Sachstandsberichte heraus. Sie gelten als wissenschaftliche Grundlage hinsichtlich des Einflusses des Menschen auf das Weltklima. Die Berichte des IPCC sind die wichtigste wissenschaftliche Grundlage zum Klimawandel.

An den einzelnen Berichten arbeiten jeweils hunderte Wissenschaftler:innen. Ihre Aufgabe: Sie werten zahlreiche Studien aus und fassen die Fakten zusammen.

  • Der erste Teil wurde im August 2021 vorgestellt und behandelt die naturwissenschaftlichen Grundlagen des menschengemachten Klimawandels.
  • Im zweiten Teil, der im Februar 2022 veröffentlicht wurde, geht es um die Folgen des Klimawandels, die Anpassung und Verwundbarkeit. Dieser Teilbericht zeigt, welche dramatischen Auswirkungen die Klimakrise auf Ökosysteme, die biologische Vielfalt, Menschen und die Gesellschaft bereits hat.
  • Der dritte Teilbericht ist im April 2022 erschienen. Er befasst sich mit der Minderung des Klimawandels.

Im September 2022 wird als Abschluss noch eine Zusammenfassung der drei Teilberichte folgen.

Temperatur bereits um 1,1 Grad gestiegen: Laut Weltklimarat lag die globale Durchschnittstemperatur von 2010 bis 2019 wegen der von Menschen verursachten Treibhausgase rund 1,1 Grad höher als von 1850 bis 1900. Allein seit dem 5. Sachstandsbericht 2014 ist sie demnach um 0,2 Grad gestiegen. Per Klimaabkommen streben die Länder der Welt an, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Lesen Sie weiter: Was steht im zweiten Teil des IPCC-Berichts?

Die Pressekonferenz zur Veröffentlichung des dritten Teils des IPCC-Sachstandsberichts am 4. April wurde gestreamt:

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